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Ist Gerhard Ludwig Kardinal Müller konservativ? Er selbst bezeichnet diese Zuschreibung als „Frechheit“

 

Gerhard Ludwig Kardinal Müller erklärt, warum er den Brief von Erzbischof Carlo Maria Viganò(1) unterschrieben hat. Es ist sehr interessant zu lesen. Bei mir ruft der Satz von Gerhard Ludwig Kardinal Müller ein großes Lächeln hervor: „Ich erachte es als eine Frechheit, wenn mich jemand als konservativ bezeichnet.“(2) Die Progressivsten werden Präfekt der Glaubenskongregation? Die Glaubenskongregation ist qua Definition eine Institution für die Bewahrung, also die Konservierung, von Glaubensinhalten. Ich finde das sehr erheiternd. Kardinal Müller begründet seine Ablehnung, konservativ zu sein damit, dass der Begriff aus der Politik stamme. Auch Papst Franziskus würde diese Unterscheidung teilen.(3) Die Begriffsbestimmung ist nicht ganz richtig. Konservativismus bezieht sich neben dem Politischen auch auf „geistig soziale Bewegungen“(4). Man kann dies selbstverständlich in fachspezifischen Lexika nachlesen. Die römisch-katholische Kirche wehrt sich stets dagegen, eine „Bewegung“ zu sein, da ihr Selbstverständnis ist, die einzig wahre Kirche Christi zu sein. Das Geistig-Soziale wird man ihr kaum absprechen können. Konservativ nur auf die Politik zu beziehen, ist eine semantische und inhaltliche Verkürzung, die von der Allgemeinheit in ihrem Sprachgebrauch nicht geteilt wird. Es gibt auch in der Kirche Strömungen. Die Kirche selbst wehrt sich um des Einheitsgedankens willen, diese semantisch zu unterscheiden. Dennoch wird man analysieren können, dass Gerhard Ludwig Kardinal Müller eher ein Bewahrer denn ein Reformer ist. Er selbst nimmt für sich in Anspruch: „Was ich bin und wie ich denke, das kann ich ohne Nachhilfe noch selbst definieren.“(5) Das ist ein großes Privileg und selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass Kardinal Müller früher Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Universität München war. Ich freue mich über einen solchen Satz und möchte den Kardinal ermuntern, dies zu tun. Kardinal Müller ist immer für Überraschungen gut. Während er in Deutschland als (politisch und geistig sozial gesehen) konservativ gilt, ist er gleichzeitig einer der besten und profiliertesten Kenner der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Davon merkt man allerdings an seiner früheren Wirkungsstätte, dem Bistum Regensburg, wenig. Eines kann man von Gerhard Ludwig Kardinal Müller sicher sagen: Er kann Diskussionen ins Laufen bekommen und am Laufen halten. Das ist ein sehr großer Gewinn für eine Kirche, bei der selten jemand profiliert provoziert. Die meisten provozieren stumpf, relativ uninformiert und intermittierend gleichbleibend. Die Weltsicht von Gerhard Ludwig Kardinal Müller ist fast immer inspirierend, er schafft es, geistliche Anregungen pointiert zu setzen und zum geistlichen Nachdenken anzuregen. Zu Unrecht wird er häufig verunglimpft, zumeist von Personen deutlich niedrigeren Wissenstands, mit deutlich geringerem Bildungsgrad, mit deutlich geringerer Sprachkompetenz und mit deutlich geringerer elaboriertem Sozialverhalten. Wie auch immer sich Gerhard Ludwig Kardinal Müller äußert, ich lese es gerne, ich informiere mich gerne über seine sehr differenziert vorgetragene Meinung und ich freue mich jedes Mal, dass sich in Deutschland die im Grundgesetz verankerte Meinungs- und Religionsfreiheit an ihm in so brillanter Weise spiegelt.

 

Elke Göß

 

(1) Vgl. Ein Aufruf für die Kirche und für die Welt an Katholiken und alle Menschen guten Willens, https://veritasliberabitvos.info/aufruf/,14.05.2020

(2) tmg/KNA (2020): Müller zu Viganò-Aufruf: Jetzt zurückzuziehen, wäre eine feige Variante, https://www.katholisch.de/artikel/25491-mueller-zu-vigano-aufruf-jetzt-zurueckzuziehen-waere-die-feige-variante,14.05.2020

(3) vgl. tmg/KNA (2020): Müller zu Viganò-Aufruf: Jetzt zurückzuziehen, wäre eine feige Variante, https://www.katholisch.de/artikel/25491-mueller-zu-vigano-aufruf-jetzt-zurueckzuziehen-waere-die-feige-variante,14.05.2020

(4) Konservativismus, https://de.wikipedia.org/wiki/Konservatismus,14.05.2020

(5) tmg/KNA (2020): Müller zu Viganò-Aufruf: Jetzt zurückzuziehen, wäre eine feige Variante, https://www.katholisch.de/artikel/25491-mueller-zu-vigano-aufruf-jetzt-zurueckzuziehen-waere-die-feige-variante,14.05.2020

 

14. Mai 2020