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Der sizilianische Mafia-Boss Matteo Messina Denaro wurde heute zu lebenslanger Haft wegen der Beteiligung an der Ermordung von Richter Giovanni Falcone und Richter Paolo Borsellino im Jahr 1992 verurteilt. In dem Gerichtsverfahren könnten Fehler begangen worden sein

 

Heute wurde Matteo Messina Denaro in Abwesenheit von einem Gericht im sizilianischen Caltanisetta zu lebenslanger Haft verurteilt.(1) Er soll 1992 an den Bombenanschlägen beteiligt gewesen sein, bei denen die Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino und weitere Personen getötet wurden.(2) Was ist, wenn Matteo Messina Denaro „nur“ an der Tötung von Richter Giovanni Falcone Schuld hat und wenn er Richter Paolo Borsellino nicht getötet hat?

Sprechen nicht beide Tötungsdelikte eine ganz unterschiedliche Sprache? Spezialistinnen und Spezialisten für Strafdelikte scheinen nicht hinzugezogen worden zu sein.

Gerechtigkeit für die Opfer ist ein sehr wichtiges Ziel der Justiz. Die Opfer haben hohe Entschädigungssummen vom italienischen Staat bekommen.

Doch jemand in Abwesenheit zu verurteilten und ihm noch nicht einmal die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern, birgt die Gefahr von Justizfehlern. Dies sollte man bei dem heutigen Urteil einkalkulieren. In den Medienberichten steht nicht, ob es die Möglichkeit einer Revision gibt. Matteo Messina Denaro würde wahrscheinlich schon für einen Mord lebenslänglich bekommen.

Der 58-jährige, in Castelvetrano geborene Mann gilt seit 2017 als der Nachfolger des verstorbenen Mafia-Paten Salvatore „Toto“ Riina. Man vermutet, er könnte die gesamte Cosa Nostra kontrollieren. Dafür scheint es keine zutreffenden Beweise zu geben.

Matteo Messina Denaro ist seit 1993 untergetaucht. Sollte eine Revision wegen Formmängeln der Justiz möglich sein, würde vermutlich ein Gericht im sizilianischen Palermo die Zuständigkeit übernehmen müssen.

Gerechtigkeit sollte für Matteo Messina Denaro durch den italienischen Staat gewährleistet sein. Der italienische Staat ist fähig, seine Angelegenheiten alleine zu bewältigen.

 

Elke Göß

 

(1) Dies ist mein erster Artikel in der Rubrik „Justizreform“ über ein Strafverfahren an einem italienischen Gericht. Ich halte mich normalerweise aus den inneren Angelegenheiten Italiens heraus.

(2) Vgl. Witte Jens (2020): Sizilien in Italien: Mafia-Boss Matteo Messina Denaro zu lebenslanger Haft verurteilt, https://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/sizilien-in-italien-mafia-boss-matteo-messina-denaro-zu-lebenslanger-haft-verurteilt/ar-BB1afd2O?ocid=msedgdhp#image=1,21.10.2020

 

21. Oktober 2020